Fachkräftemangel in Baden-Württemberg
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Ausgangslage
Qualifiziertes Personal zu finden wird für viele baden-württembergische Unternehmen immer schwieriger. Nach einer aktuellen IAW-Studie hatten vier von zehn Betrieben in Baden-Württemberg in den Jahren 2000 bis 2008 gelegentlich oder dauerhaft Probleme bei der Besetzung von Fachkräftestellen. Vor allem im unternehmensnahen Dienstleistungssektor müssen wir bereits heute von einer strukturellen Fachkräftelücke ausgehen.
Mangelberuf Nummer 1 ist der Ingenieurberuf. Baden-Württemberg ist unter allen Bundesländern seit jeher am stärksten vom Ingenieurmangel betroffen. Nach aktuellen Erhebungen des VDI (Ingenieur-Monitor, Mai 2010) gibt es in Baden-Württemberg derzeit rund 12.700 offene Stellen für Ingenieure. Die Fachkräftelücke (Stellenangebote minus Arbeitslose) beträgt 9.600 Ingenieure. Kein anderes Bundesland weist derzeit eine so hohe Ingenieurlücke auf: auf Baden-Württemberg entfällt mehr als 25 Prozent der gesamtdeutschen Ingenieurlücke.
Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure sind nach wie vor die am stärksten nachgefragte Berufsordnung bei Ingenieuren. Im März 2010 fehlten in Baden-Württemberg mindestens 3.900 Maschinen- und Fahrzeugbauingenieure (in Deutschland: 14.600), um alle für diese Berufsordnung offenen Stellen besetzen zu können. Die Fachkräftelücke für Elektroingenieure betrug im Mai 2010 im Land 2.500 (Deutschland: 8.700).
Dabei bildet die Ingenieurlücke nur einen Teilaspekt des „Fachkräftemangels“ ab: Von Fachkräftemangel nur dann zu sprechen, wenn Unternehmen offene Stellen dauerhaft nicht besetzen können, wäre zu kurz gegriffen. Denn Fachkräftemangel äußert sich für viele Betriebe bereits darin, dass die Besetzung offener Stellen aufgrund des knappen Fachkräfteangebots unverhältnismäßig lange andauert oder die Einstellung nur unter Kompromissen beispielsweise beim Qualifikationsprofil der Bewerber erfolgt.
Der VDI betont in einer aktuellen Studie (VDI/IW April 2010), dass „trotz der Finanzmarktkrise die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Zielberuf Ingenieur von 2008 auf 2009 um 1,2% gestiegen ist“ und die Arbeitslosenquote im Zielberuf Ingenieur mit etwa 2,4% immer noch auf Vollbeschäftigungsniveau liegt.
Demografische Entwicklung wirkt verstärkend
Der Fachkräftemangel dürfte von der demografischen Entwicklung verstärkt werden. Nach der Bevölkerungsvorausrechnung des Statistischen Landesamtes (November 2009) wird sich der Rückgang der Bevölkerungszahl Baden-Württembergs in den kommenden Jahrzehnten beschleunigen: die Einwohnerzahl des Landes könnte bis 2060 um rund 1,6 Mio. auf rund 9,1 Mio. zurückgehen. Damit verbunden ist der Rückgang der Bevölkerung im Erwerbsalter.
Altersbedingt scheiden nach VDI/ IW bis 2012 jährlich knapp 36.000 Ingenieure aus dem Erwerbsleben aus. Bis 2027 soll der demografiebedingte Ersatzbedarf auf jährlich 48.300 Personen ansteigen. Der VDI geht davon aus, dass die bestehende Ingenieurlücke davon rührt, dass die Anzahl neuer Absolventen kaum den altersbedingten Abgang decken konnte. Für zusätzlichen Expansionsbedarf sei daher wenig Spielraum.
Ziele der Fachkräfteinitiative des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg
Die Gründe für den wachsenden Fachkräftemangel sind ebenso vielfältig wie Strategien, mit denen jedes einzelne Unternehmen seinen Fachkräftebedarf decken kann. Um Unternehmen dabei zu unterstützen, hat das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg 2006 die Fachkräfteinitiative ins Leben gerufen.
Ziele der Fachkräfteinitiative sind:
- die Verstärkung der beruflichen Aus- und Weiterbildung
- die Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von älteren Personen, von Frauen und von Personen mit Migrationshintergrund
- die Erleichterung der Zuwanderung von hochqualifizierten Arbeitskräften
- die Steigerung der Absolventenzahl in den technischen Berufen, insbesondere in den Ingenieurberufen
- die Verringerung der Steuer- und Abgabenbelastung, um die Leistungsbereitschaft der Beschäftigten zu honorieren und zur Höherqualifizierung zu motivieren.
Als Zentrale Impulsveranstaltung fand im Jahr 2008 der Kongress „Mangelware Fachkraft“ mit rund 500 Personalverantwortlichen aus kleinen und mittleren Unternehmen statt.

