Stimmen aus BW

Einige Neuankömmlinge haben hier bereits ein neues Zuhause gefunden. Wie sie sich hier Schritt für Schritt eingelebt haben, erzählen sie in ihren Geschichten. 

  • Jesus B.
    "Ich wollte immer wieder zurück nach Deutschland!"
    Jesus B. Spanien, Angestellter
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    Ich habe ein ERASMUS-Programm in Ostdeutschland, in Dresden, gemacht und hatte danach die Möglichkeit, entweder nach Spanien zurückzukehren oder in Deutschland zu bleiben. Ich war mir sicher, ich möchte in Deutschland bleiben und ein Praktikum machen. Die Professoren von der Uni Dresden haben mir den Tipp gegeben, dass es in Baden-Württemberg viel Arbeit gibt und ich mich einfach mal bewerben soll. Im Internet habe ich dann eine Liste mit den Firmen aus Baden-Württemberg gefunden und mich beworben. Am Anfang hat das nicht geklappt. Ich musste viel suchen, aber am Ende hat es geklappt und ich habe ein Praktikum in Baden-Württemberg gefunden. 

    Nach 6 Monaten Praktikum in Stuttgart hatte ich nicht genug. Ich wollte länger bleiben. Ich habe also mit meinem Chef gesprochen und er meinte, dass ich weitere 6 Monate bleiben könnte, um meine Diplomarbeit zu schreiben. Das wollte ich natürlich. 

    Am Anfang hatte ich hier in Baden-Württemberg ein paar Probleme mit der Sprache, weil der Akzent in Dresden anders war. Nach ein paar Wochen hatte sich das jedoch erledigt und ich hatte keine Probleme mehr. Schon in Spanien hatte ich in der Schule etwas Deutsch gelernt. Meine Eltern haben mich als Kind für 3 Monate nach Deutschland geschickt. Das hat mir gefallen und ich bin noch einmal 3 Monate gekommen. Ich wollte immer wieder zurück. So richtig Deutsch habe ich aber erst in Dresden gelernt. Heute würde ich rückblickend noch mehr Deutsch zuhause lernen. Viele glauben, dass man mit Englisch zurechtkommt. Das ist nicht so. Fast alle sprechen Englisch, aber wenn du hier arbeiten möchtest, musst du auch Deutsch sprechen. 

    Am Anfang hatte ich keine Erwartungen an Baden-Württemberg. Die Situation ist in Spanien momentan so schlimm, dass ich einfach eine gute Stelle haben wollte. Natürlich wollte ich wie alle Menschen ein gutes Leben, Freunde und Spaß haben. Ich bin mittlerweile sehr zufrieden hier und möchte weiterhin bleiben. 

    Was mir aber besonders schwer fiel, war das Leben im Winter. Man sieht im Vergleich zu Spanien fast nie die Sonne. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt. Wenn ich Zeit habe, fahre ich sogar in die Berge, um Ski zu fahren. Auch eine Wohnung zu finden war schwer für mich. Ich habe drei Monate gesucht und nichts gefunden. Meinen Freunden in Stuttgart ging es genauso.

    Alles in allem muss man mutig sein, aber auch geduldig. Wir denken immer, dass man irgendwo hingeht und man alles schnell bekommt. So ist es nicht. Man muss für die Sachen arbeiten. Man kann nicht einfach herumsitzen und Bewerbungen schicken: Man muss Deutsch lernen, man muss einen guten Lebenslauf vorbereiten, man muss die Vorstellungsgespräche vorbereiten. Die Stellen fallen nicht einfach vom Himmel.

  • Ahmad K.
    "Ich bin nach Baden-Württemberg gekommen, um eine bessere Perspektive zu haben."
    Ahmad K. Syrien, Auszubildender
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    Ich bin aus Aleppo in Syrien und bin nach Deutschland gekommen, um eine gute Zukunft zu haben, weil bei uns Krieg herrscht. Ich war zuerst in der Türkei und habe dort gearbeitet. Dort hatte ich allerdings keine Perspektive: ich würde immer ein einfacher Mitarbeiter bleiben, auf der gleichen Stelle. Ich konnte auch nichts anderes machen, weil die Sprache schwer für mich war – ich habe sie in der Arbeit gelernt.
    Dann hat sich für mich eine Möglichkeit ergeben, nach Deutschland zu fahren, und die habe ich ergriffen. Hier kann ich die Sprache lernen, habe Aufstiegsperspektiven und kann machen, was ich möchte. Das kostet allerdings viel Zeit und Kraft. Man muss es wollen. Die Motivation ist das wichtigste.


    Die Sprache war für mich am Anfang schwierig. Anfangs dachte ich mir „ich kann das nicht schaffen.“ Unsere Lehrerin hat uns aber toll unterstützt. In der Kirche im Asyl-Café konnte ich viel Kontakt mit Deutschen knüpfen. Konnte ich einmal eine Frage nicht beantworten, habe ich zuhause die Wörter gelernt. Wenn man mir eine Woche später die Frage wieder gestellt hat, konnte ich sie diesmal beantworten.
    Ich bin also letztendlich nach Baden-Württemberg gekommen, um eine bessere Perspektive zu haben und um an einem friedlichen Ort zu wohnen.
    Im September fange ich eine Ausbildung zum Industriemechaniker an. Ich habe davor 2,5 Jahre in Syrien gearbeitet. Dort konnte ich viele Erfahrungen sammeln. Das hat mir geholfen, den Ausbildungsplatz zu bekommen. Ich freue mich sehr auf die Ausbildung.


    Was mich in Deutschland überrascht hat: die multikulturelle Gesellschaft. Ich habe nicht nur Deutsche kennengelernt, sondern auch Franzosen, Russen, Polen, Costa Ricaner und Italiener. So kann man viel mehr Kulturen kennenlernen. Das hilft, um sich leichter zuhause zu fühlen. Ich bin zwar Ausländer, aber mit der Zeit lebt man hier wie ein Deutscher. Man muss es allerdings wollen. Wenn man es will, dann klappt es.
    Die deutsche Kultur war anfangs eine Hürde für mich. Wir haben in Syrien eine ganz andere Kultur. Man kann einen Teil seiner Kultur vergessen und sich anpassen, aber nie alles. Rückblickend würde ich im Vorfeld die Sprache und Kultur besser kennenlernen. Insgesamt  würde ich sagen, dass die Sprache ein Schlüsselfaktor ist. Deutsch ist im Prinzip wie Arabisch: Nicht so schwierig zu sprechen, aber eine schwierige Grammatik.